Eingetragen von Sebastian Brandt am 16.01.2010

Die 13 Jungs und Mädels vom Schulsanitätsdienst (SSD) des Städtischen Gymnasiums in Harsewinkel genießen ein Privileg, um das sie andere Schüler manchmal beneiden: Sie dürfen auch in der Schule ihr Handy dabei haben. Das hat einen guten Grund: Die Truppe muss jederzeit erreichbar sein, denn kleine Blessuren und Erkrankungen kommen im Schulbetrieb fast täglich vor. Die Statistik spricht Bände: Jedes Jahr ereignen sich in Deutschland mehr als eine Millionen Schulunfälle.

Für ihre Mitschüler opfern die 16- bis 18-Jährigen ihre Freizeit. Sie tun es unentgeltlich und erfüllen damit im besten Sinne die Kriterien für das Ehrenamt, das in unserer Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert bekommt. Seit einigen Tagen wird der SSD am Gymnasium vom Jugendrotkreuz (JRK) des DRK-Ortsvereins Harsewinkel betreut. Bisher arbeitete die Gruppe um ihren Leiter André Grawe mit dem Malteser Hilfsdienst aus Herzebrock zusammen. Die Spitzen des DRK sind froh, dass die neue Kooperation so gut angelaufen ist. "Die räumliche Nähe zum Gymnasium garantiert kurze Wege und eine enge Zusammenarbeit", erklärte Reinhold Mann, der seit Ende Mai 2009 als Leiter des Rotkreuzler fungiert, bei einem Pressegespräch anlässlich der offiziellen Ãœbernahme des Schulsanitätsdienstes im Gymnasium durch das DRK. Der DRK-Leiter kündigte an, dass die jungen Schulsanitäter schon bald erste praktische Erfahrungen sammeln könnten. Geplant sei der gemeinsame Einsatz mit den DRK-Helfern beim Karnevalsumzug der Roten Funken am Rosensonntag. Die Mitwirkung sei aber keine Pflicht: "Keiner muss etwas tun, jeder kann aber gerne eine Menge machen".

Hochzufrieden mit der neuen Lösung ist auch DRK-Vorsitzender Heinz Bünnigmann: "Reinhold Mann hat viel Schwung in die DRK-Gemeinschaft gebracht. Wir sind gut vernetzt und bodenständig", sagte der DRK-Chef mit dem Hinweis, dass einige Mitglieder des SSD auch bei der Feuerwehr mitwirken. Das ehrenamtliche Engagement der jungen Menschen ist für ihn gerade in der heutigen Zeit "der richtige Ansatz". Und auch im Gymnasium kann man der neuen Kooperation nur Gutes abgewinnen. Schulleiter Lambert Austermann betonte, dass es in einer Schule, wo mehr als 1.000 Menschen zusammen kommen, fast täglich zu Unfällen, Verletzungen oder plötzlichen Erkrankungen komme. "Ich bin froh, dass wir gut ausgebildete Schüler für den Notfall haben", so Austermann. Auch als Pädagoge könne er das Projekt nur begrüßen, weil die Schüler dabei ihre sozialen Kompetenzen und ihr Verantwortungsbewusstsein entwickelten. "Der Schulsanitätsdienst ist eine Bereicherung für unsere Schule", sagte Austermann, der das Problem der Kontinuität ansprach. Es müsse dafür geworben werden, Nachwuchskräfte für dieses Ehrenamt zu gewinnen. Denn einige der jungen Schulsanitäter, so auch André Grawe, stehen kurz vor dem Abitur und werden daher die Schule und damit auch den SSD bald verlassen.

Auf ihren Einsatz wurden die Jugendlichen gut vorbereitet. Bereits vor einigen Wochen absolvierten sie unter der Leitung von Carsten Burkhardt eine fundierte Erste-Hilfe-Ausbildung im DRK-Heim am Dechant-Budde-Weg. In einer weiteren Tagesveranstaltung in den Räumen der JRK erweiterten die Schulsanitäter dann ihr Wissen in diversen Notfallsituationen. Das DRK unterstützt die Truppe ferner bei der Beschaffung von Material und der räumlichen Unterbringung. "Das bedeutet für die Schulleitung des Gymnasiums einen Zuwachs an Sicherheit", erklärte Britta Venne, Betreuungslehrerin der AG Schulsanitätsdienst. Die jungen Leute sind mit Spaß und Eifer bei der Sache. Für André Grawe ist die Arbeit in der Gemeinschaft ein wichtiger Grund, seine Freizeit für seine Mitschüler zu opfern. Sarah Wilhelmstrop (17) musste zwar noch keinen richtigen Einsatz meistern, doch sie ist für ihren ehrenamtliche Dienst gut gerüstet: "Es ist schön, wenn man in der Lage ist, anderen Menschen zu helfen". 

Mehr als 27 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland in ihrer Freizeit freiwillig und unentgeltlich für ihre Mitmenschen. In einigen Bereichen des Alltags gibt es aber noch große Lücken. Unter dem Motto "Wir für uns" läuft in Harsewinkel eine Kampagne mit dem Ziel der Förderung des Ehrenamtes. In Koordination mit der Stadt Harsewinkel veröffentlicht die "Neue Westfälische" eine Serie, in der die vielfältigen Aufgaben und Ziele beim ehrenamtlichen Wirken vorgestellt werden. Im Blickpunkt sollen dabei die Menschen stehen, die bereit sind, ihre Freizeit für die Gemeinschaft zu opfern. Die bisher erschienenen Folgen sind auf der Homepage der Stadt Harsewinkel nachzulesen. Schulsanitäter können alle Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse werden. Die "Schulsanis" kümmern sich nicht nur um den Sanitätsraum und versuchen, die Gefahrenpotenziale zu verringern, sondern sie vertiefen und erweitern ständig ihr Wissen um die Erste Hilfe. Auch auf Schulfesten und anderen schulischen Veranstaltungen kommen sie zum Einsatz. In den Pausen besetzen sie den Sanitätsraum. 

Quelle: Text/Bild mit freundlicher Genehmigung aus der "Neuen Westfälischen", Ausgabe Nr. 10 vom 13.01.2010.