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Dem Kindersuchdienst galt und gilt immer das ganz besondere Augenmerk des Roten Kreuzes, weil es sich bei dieser Zielgruppe um den hilfsbedürftigsten Teil der betroffenen Gesellschaft handelt. Die Anzahl der neu an den Suchdienst München herangetragenen Kindersuchfälle ist seit Jahren stetig steigend.

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs, insbesondere anlässlich von Flucht und Vertreibung und bedingt durch die Turbulenzen der Nachkriegsjahre, wurden mehr als 500.000 Kinder von ihren Eltern getrennt. Aufgrund der besonders intensiven Maßnahmen konnte das Schicksal der meisten dieser Kinder geklärt werden. Auch im Jahr 2005 gelang es, in mehreren Fällen eine Identitätsklärung und ein Wiedersehen mit Angehörigen herbeizuführen. Bei den Findelkindern verbleibt heute „nur“ noch ein Rest von 400 Personen ohne natürliche Identität; sie leben mit einem zugeteilten Namen und Geburtsdatum, ohne Kenntnis der eigentlichen Herkunft. Dieser Personenkreis wendet sich regelmäßig an den Suchdienst mit der Bitte um Überprüfung der bisherigen Nachforschungsergebnisse. Dabei setzen diese Menschen viel Vertrauen in die neuen Möglichkeiten der DNA-Analyse.

Der größte Teil der neu eingegangenen und erneuerten Suchanträge wird von Personen gestellt, deren Identität bekannt ist, darunter auch Spätaussiedler und Deutschstämmige, die bisher in den Staaten der GUS oder in Osteuropa lebten. Sie suchen ihre Angehörigen, von denen sie durch die Kriegswirren getrennt wurden bzw. die sie – bedingt durch den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen – bis heute nicht kennen.

Dazu gehören auch Kinder, die von deutschen Soldaten in den besetzten Gebieten hinterlassen wurden. Während man z. B. für Frankreich von ca. 200.000 Geburten ausgeht, ist die Anzahl der in Osteuropa Geborenen unbekannt.

jungeZu den Herausforderungen für den Kindersuchdienst zählen auch die Nachkommen der Alliierten Besatzungssoldaten der unmittelbaren Nachkriegszeit und der später in Deutschland stationierten Truppenteile der NATO-Staaten. Ein Novum in der Geschichte des Kindersuchdienstes ist es, dass nun auch in der Vergangenheit in Deutschland stationierte Soldaten aller Nationen nach Kindern suchen, die aus einer Verbindung mit einer Deutschen hervorgegangen sind.

Die Arbeit des Kindersuchdienstes zeigt deutlich, welche tiefgreifenden Folgen der Zweite Weltkrieg für die betroffenen Kinder und ihre Eltern hatte und bis heute hat. Er führt auch zu der Erkenntnis, dass das Wissen um seine Herkunft ein menschliches Grundbedürfnis ist. Publikationen und Fernsehsendungen und die damit verbundenen Anfragen sind ein zusätzlicher Gradmesser für das gleichbleibende öffentliche Interesse. Die historische und psychologische Aufarbeitung des Schicksals der Kriegskinder und der Kinder der deutschen und alliierten Besatzungssoldaten ist nach wie vor ein aktuelles Thema.