97Schicksalklärungen 60 Jahre nach Kriegsende

Sie suchen nach einem Angehörigen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg?Seit 60 Jahren betreibt der DRK-Suchdienst Nachforschungen über Kriegs- und Zivilgefangene, über Wehrmachtsvermisste und Zivilverschleppte des Zweiten Weltkrieges sowie über infolge der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs verloren gegangene Kinder.

Vermisstenregistrierung

Nach Gründung der Bundesrepublik wollte sich die Regierung einen Überblick über die Vermissten verschaffen und fünf Jahre nach Kriegsende Bilanz ziehen. Im März 1950 rief der Bundespräsident Theodor Heuß alle Bürger Westdeutschlands dazu auf, ihre Vermissten registrieren zu lassen. Die Bundesbürger strömten zu den Rathäusern und Amtsstuben, um alle bekannten Personalangaben über die noch Abwesenden auf Karteikarten registrieren zu lassen. Insgesamt wurden dabei in Westdeutschland rund 2,5 Millionen Soldaten, Zivilisten und Kinder gemeldet, über deren Verbleib immer noch nichts näheres bekannt geworden war. Die gesammelten Suchfälle wurden als Klärungsauftrag von der Bundesregierung dem DRK-Suchdienst übertragen. Der Auftrag wurde bis heute etwa zur Hälfte erfüllt. Von den gemeldeten Suchfällen wurden bis zum Jahr 2005 rund 1,2 Millionen geklärt. Es verbleiben 1,3 Millionen Schicksale, an deren Aufklärung weiterhin gearbeitet werden muss. Die Erfassung beschränkte sich auf den Westen Deutschlands. Damit blieben die Suchenden in der DDR und in den Ländern Osteuropas unberücksichtigt. Dieser Aspekt erklärt den anhaltenden Eingang von völlig neuen Anfragen. 61 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges ist die tatsächliche Gesamtzahl der Verschollenenfälle immer noch nicht bekannt. Eine restlose Klärung aller Schicksale wird nicht möglich sein, weil viele Menschen in den Wirren des Krieges verschwanden, ohne dass hierüber schriftliche Aufzeichnungen angefertigt werden konnten. Nach den verschiedenen Zusammenbrüchen der Ostfronten gerieten Hunderttausende in Gefangenschaft, deren Registrierungen erstmals von den Verwaltungen der Transportzüge und der Bestimmungslager durchgeführt wurden. Menschen die auf dem langen Marsch dorthin verstarben, werden für immer zu den Verschollenen zählen.

Nachfolgegeneration

Die Nachfolgegeneration der unmittelbar vom Krieg betroffenen Familien tritt in zunehmenden Maße in Erscheinung. Die Kinder der Kriegsgeneration, oft ohne Vater aufgewachsen, interessieren sich verstärkt für die Schicksalswege ihrer Vorfahren und ihrer Herkunft. Im Nachlass ihrer verstorbenen Eltern finden sie Unterlagen über deren vergebliche Suche nach ihren Vermissten. Viele greifen die Thematik von neuem auf und erkundigen sich nach dem aktuellen Stand der Nachforschungen. Nach Erhalt einer schicksalsklärenden Benachrichtigung, wollen sie ergänzende Informationen über die letzten Lebensstationen und den Sterbeort erhalten. In zahlreichen Fällen wird auch der Wunsch nach einer Kopie des Suchdienst-Gutachtens gestellt. Die Expertise über das vermeintliche Schicksal ihres Verschollenen ist bereits vor Jahrzehnten Familienangehörigen zugestellt, aber zwischenzeitlich verloren gegangen. Der DRK-Suchdienst kann diese verständlichen Wünsche aus seinen umfangreichen Datenbanken und Archivbeständen erfüllen.