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Der Begriff der Familienzusammenführung ist im Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes historisch entstanden durch die vielen Familientrennungen durch Flucht und Vertreibung von deutschen Volkszugehörigen aus Ost- und Südosteuropa im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg.

Für viele betroffene Menschen war und ist das Thema der Familienzusammenführung mit leidvollen Erfahrungen verbunden. Die Suche nach Angehörigen und die Familienzusammenführung sind deshalb wichtige humanitäre Aufgaben.

Die internationale Rotkreuz-Bewegung formulierte es folgendermaßen:

„Ungewissheit über das Schicksal von Angehörigen ist genauso schwer zu ertragen, wie der Verlust selbst.“

Die Geschichte der Familienzusammenführung von Deutschen und ihren Familienangehörigen aus ost- und südosteuropäischen Ländern sowie den Nachfolgestaaten der UdSSR nach 1945 kann in zwei Abschnitte unterteilt werden:

  • von 1945 bis 1986
  • ab 1987

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1945 bis 1986

Die Zeit bis zur Wende in Osteuropa war dadurch gekennzeichnet, dass deutsche Volkszugehörige zwar problemlos durch die Bundesrepublik aufgenommen wurden, aber in der Regel aus ihren Herkunftsländern nicht ausreisen durften. Durch das DRK im Verband mit der internationalen Rotkreuzbewegung wurde auf die damaligen osteuropäischen Regierungen immer wieder Einfluss genommen, in begründeten humanitären Fällen die Ausreise zum Zwecke der Familienzusammenführung zu gestatten. Viele Familien mussten jedoch weiterhin getrennt bleiben.

ab 1987

Ab 1987-1989 ist die Ausreise aus Osteuropa verstärkt möglich. Um die Einreisewilligen besser integrieren zu können und die Zuwanderung planbar zu machen, hat die Bundesrepublik gesetzliche Regelungen zur Ordnung der Einreise und Familienzusammenführung erlassen.

Die entsprechenden Verwaltungsverfahren sind langwierig und kompliziert und nicht immer ohne bedrückende Auswirkungen auf die Betroffenen. Allein schon während der Dauer des Verwaltungsverfahrens ergeben sich häufig Änderungen in den Anspruchsvoraussetzungen z.B. durch Heirat, Scheidung, Erkrankung und Tod oder durch die Geburt eines Kindes, auf die zeitnah reagiert werden muss, will man es nicht zu dauerhaften Familientrennungen kommen lassen.

Daher ist die Familienzusammenführung nach wie vor ein aktuelles humanitäres Anliegen und alle Bundesregierungen haben sich bisher zu ihrer historischen Verantwortung den Deutschen im Osten gegenüber bekannt und sind bestrebt, die Familienzusammenführung auf der Grundlage der rechtlichen Bestimmungen, aber auch in humanitär vertretbarer Weise ablaufen zu lassen. Deshalb ist der DRK-Suchdienst Hamburg seit nunmehr über 50 Jahren und auch heute noch im Auftrage des Bundes mit den Aufgaben der Familienzusammenführung betraut.

Drei Dinge prägen unsere Arbeit, um getrennte Familien wieder zusammenzuführen:

  • die Geschichte der Deutschen in den sogenannten Herkunftsgebieten
  • die Politik in der Vergangenheit und Gegenwart
  • sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen

Für die Familienzusammenführung ist der Suchdienst des DRK unverzichtbar.
Im Jahr 2001 erreichten den Suchdienst Hamburg z.B. rund 16.000 Hilfeersuchen. Bedenkt man, dass oft ganze Familien sowohl hier in Deutschland als auch in Ost- und Südosteuropa betroffen sind, so kann man rechnen, dass ca. 80-100.000 Menschen darauf hofften, durch uns Hilfe bei der Lösung ihrer Probleme zu bekommen. Warum das so ist und um welche Anliegen es häufig in unserer Arbeit geht, das möchten wir Ihnen auf den folgenden Seiten gern erklären.