Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes bietet mit seiner Einrichtung des Amtlichen Auskunftsbüros eine Hilfeleistung für vermissende Angehörige bei bewaffneten Konflikten und Katastrophen an.

Bewaffnete Konflikte reißen Familien auseinander

Kriegerische Auseinandersetzungen und die damit verbundenen Flüchtlingsbewegungen reißen weltweit Jahr für Jahr Tausende von Familien auseinander und lassen verzweifelte Menschen in der Ungewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen und Freunde zurück.

Das humanitäre Völkerrecht setzt Regeln der Menschlichkeit fest, auch wenn das Leiden der Opfer eines bewaffneten Konfliktes gänzlich nicht verhindert werden kann. Hierin liegt auch der Ursprung für die humanitären Hilfeleistungen des DRK-Suchdienstes und des Amtlichen Auskunftsbüros. Die Genfer Abkommen von 1949 und ihre zwei Zusatzprotokolle von 1977 geben Familien einen Anspruch auf Auskunft über das Schicksal ihrer Angehörigen und verpflichten die Staaten, die Suchdienste des Roten Kreuzes bei ihren Aktivitäten im Bereich der Nachforschungen nach Vermissten und bei der Familienzusammenführung zu unterstützen.

Darüber hinaus übt der DRK-Suchdienst im Konfliktfall als das von der Bundesregierung beauftragte „Amtliche Auskunftsbüro der Bundesrepublik Deutschland“ gemäß Artikel 122 des III. und Artikel 136 des IV. Genfer Abkommens Tätigkeiten aus, wie sie in diesen völkerrechtlichen Verträgen und ihren Zusatzprotokollen für das Amtliche Auskunftsbüro (AAB) und für nationale Rotkreuz-Gesellschaften vorgesehen sind. Hierbei handelt es sich vor allem um das Sammeln und Weiterleitung von Informationen über Kriegsgefangene und Zivilinternierte.

Angehörige werden bei Katastrophen informiert

Bei einem schweren Unglück oder einer Katastrophe muss in der Regel mit einer Vielzahl verletzter und evakuierter Personen gerechnet werden. Die Erfahrungen aus mehreren dramatischen Ereignissen wie die Tsunami- Katastrophe oder das Zugunglück in Eschede haben gezeigt, dass sich Angehörige möglichst schnell über den Verbleib und den Zustand einer betroffenen Person informieren möchten. Verwandte, Bekannte und Freunde von Opfern können sich in ihrer Not an die Vermissten-Auskunftsstellen des Roten Kreuzes wenden, um sich über einen Angehörigen zu informieren.

Dort werden die Informationen über die Betroffenen von Schadensereignissen gesammelt, systematisiert und ggf. aufbereitet und stehen so für eine qualifizierte und schnelle Auskunft an suchende Angehörige zur Verfügung. Wichtig hierbei ist die Registrierung der Betroffenen direkt in den Sammelstellen im Schadensgebiet oder später in den Krankenhäusern bzw. Notunterkünften durch die Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen.

Die Auskunftsstellen des Amtlichen Auskunftsbüros werden auf allen Verbandsebenen des Deutschen Roten Kreuzes vorgehalten. Derzeit steht mit der Direktion Amtliches Auskunftsbüro (D/AAB) auf Bundesverbandsebene, 19 Landesauskunftsbüros (LAB) und rund 340 Kreisauskunftsbüros (KAB) mit ca. 5.000 ausgebildeten, überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeitern eine flächendeckende und gut funktionierende Hilfeleistungskette für Angehörige zur Verfügung.